

Der vergangene Samstag gehörte einer unglaublich inspirerenden Veranstaltung in der Evangelischen Akademie Tutzing unter dem Titel "eine neue Version ist verfügbar":
Die Digitalisierung verändert unsere Vorstellung von kulturellem Schaffen. Ein Buch ist nicht mehr unveränderliches Werkstück, sondern ein bewegliches, verflüssigtes Programm, das in Versionen ausgeliefert wird. Kultur als Software? Ein Experiment mit dem Publizisten Dirk von Gehlen. Weitere Infos unter: www.enviv.de
Dirk von Gehlen initiierte ein Experiment: Es handelt von den Folgen der Digitalisierung für Kunst und Kultur. Diese verändern ihren Aggregatzustand, sie werden flüssig. Um herauszufinden, was das bedeuten kann, hat er gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern den Versuch unternommen, ein Buch auf eine neue Art zu schreiben: gemeinsam! Über die Crowdfunding-Plattform Startnext finanzierten alle interessierten zukünftigen Leser das Buchprojekt in dem es um Verflüssigung von Kultur geht - was das bedeuten könnte, im Content wie Context? Wie die digitalisierung unsere Vorstellung von Kunst und Kultur verändert?
Was habe ich da zu suchen?
Inspirierenden Input durch differenzierte Vorträge und Diskussionen von und mit Kulturschaffenden und Kulturvermittlern. Zugegeben, alle sehr neue Medien afin - da wurde getwittert, gestreamt, gebloggt und und und - die Substanz der Veranstaltung wurde medial auf allen Kanälen in die Welt gezwitschert und wird sicher viel Resonanz haben. Jetzt geht's darum heraus zu finden was sich tut und tun wird und wo letztlich die Konsequenzen für einen selbst liegen, der man Teil eines spezifischen Kulturbetriebes ist.
Es ging z.B. um Urheberschaft und Autorenstatus - deren Ablösung zu Gunsten einer möglichen Kooperation von Künstler und Publikum wurde propagiert und diskutiert. Aus meiner Perspektive wandelt sich der Künstler, Autor etc. in diesem Kontext zu einem Initiator, der am Anfang steht und mit seiner zündenden Idee für ein - wie auch immer - kulturelles Projekt steht. Das Vorgehen und die Arbeit der Kulturschaffenden verändern sich vermutlich kaum, nur die Art der Kommunikation und Kooperationen - und Konsequenzen.
The Declaration of Liquid Culture wurde vorgestellt und diskutiert. Sie macht vieles sehr einfach deutlich, was zur Zeit passiert. Ich zitiere hier die Präambel:
"Die Geschichte ist nicht zu Ende – sie verflüssigt sich.
Wenn wir in einem Boot auf dem Fluss fahren, erkennen wir unsere eigene Bewegung am vorbeiziehenden Ufer. Dass immer wieder neue Uferabschnitte vor uns auftauchen, während wir andere, an denen wir gerade vorübergefahren sind, hinter uns lassen, empfinden wir als Fortschritt. Je breiter der Fluss, desto weniger können wir unsere eigene Bewegung bemerken – bis wir auf dem freien Meer unser Bezugssystem, an dem wir Fortschritt festmachen, ganz verloren haben.
Enge Ufer geben unserer Bewegung eine eindeutige Richtung und eine klare Orientierung, weite Ufer geben uns Bewegungsfreiheit.
In diesem Moment fahren wir auf einem Fluss, dessen Ufer immer weiter werden. Wir können sie zwar noch erkennen, aber es ist eher die Erinnerung daran, dass wir sie vor kurzem noch nahe vor Augen hatten, die uns das Gefühl von Bewegung nach vorne vermittelt. Die Moderne verschwindet. Die Postmoderne sind die letzten, offenen Marschwiesen. Jammern wir nicht alten Ufern nach, die vorbeigezogen sind. Freuen wir uns auf die offene See."
In all' dem steckt viel Anregung - bin gespannt, was sich daraus ergibt - für jeden sicher etwas anderes - alles bleibt im Fluss - was für ein schönes Bild!
Doch es braucht Bojen und Leuchttürme, die Orientierung geben, d.h. Kulturinstitutionen, Galerien, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser etc. und ganz bestimmt auch Orte wie die evangelische Akademie Tutzing, die Möglichkeiten des Austausches auf das Angenehmste schafft!
