Das Wohlwollen aller Wettergötter begleitete mich auf meiner Herbstreise nach London...
Denn die "Origin" Messe des Britsh Crafts Council http://www.craftscouncil.org.uk/origin09 war der Grund mit kleinem Gepäck aufzubrechen und mit großem Gepäck wieder in die Ladengalerie nach Hamburg heimzukehren.
Wir hatten in den vergangenen Wochen die Ausstellungsthemen und Termine für das kommende Jahr 2010 bei craft2eu erarbeitet und festgelegt. (Die werden immer hier angezeigt und wer sich dafür entscheidet in unserem Verteiler aufgenommen zu werden, bekommt einen Hinweis/ eine Einladung auch vorab per Post zugesandt -> http://www.craft2eu.net/index.php?id=33&L= .)
Das festzurren des kommenden Jahres ist alle Jahre wieder die Voraussetzung (und auch der Startschuss) für eine gezielte "Trüffelsuche" - ... um das bereits geplante Programm mit zahlreichen neuen, aufregenden Highlights aus ganz Europa (-> craft 2 (to) "EU"(!)) auf den Punkt zu bringen und zu verfeinern.
London ist auf mehreren Etappen dabei immer die erste Station, selbst wenn man schon einige "Lieblinge" gedanklich über's Jahr mit bei sich trägt. Und genau diese "Lieblinge" geben ja letztlich auch den entscheidenden Impuls für die Themenfindung an sich.
Denn ein Trend oder ein Thema muss bei craft2eu schon deutlichst spürbar sein, damit es sinnvoll wird ihn/es aufzugreifen und daraus eine craft2eu-Schau/Ausstellung in der gewohnten Qualität zu entwickeln.
"Origin2 Teil 1 bot viele Neuigkeiten und auch craft2eu Bekanntes. Anke Hennig, Ausstellerin in der verhangenen craft2eu Ausstellung namens "Handarbeit" http://www.craft2eu.net/index.php?id=391&L= zeigte ihren wunderschönen Schmuck sehr erfolgreich und wird ihn vielleicht auch bald in der Londoner Galerie "Flow" und auch wieder bei "craft2eu" zeigen können.
Virginia Graham http://www.craft2eu.net/index.php?id=394&L= , deren Plätze im Lager von craft2eu wegen ihres Atelier/Studioumzugs fast völlig leergekauft sind, versprach bis Anfang November endlich den lang ersehnten Nachschub zu liefern. Super!
Viele neue Kontakte wurden geknüpft und Neues (was noch nicht verraten werden soll) für craft2eu ist fest eingeplant - ein bißchen Spannung muss sein!
Als ganz großes Sonderthema der "Origin" wurde Korbflechterei präsentiert. "The Origin Intervention": sehr frei und individuell arbeitende Korbflechter waren von Mary Butcher und dem Crafts Council eingeladen worden um im Rahmen der Messe und auf dem Innenhof des Somersethouse auf gesondert ausgewiesenen Interventionsflächen ihre Werke vorzustellen: http://tinyurl.com/ygksf2m

Ausserdem gab es noch ein großes Areal, auf dem man Korbflechtern bei der Arbeit zuschauen konnte und eine erste Einführung in diese Kunst bekam - wie alles in England immer auch ein wenig didaktisch, aber inspirierend und toll gemacht.
Hier die Liste der ausstellende Flechtkünstler - das Aufknöpfen der Homepages bringt echte Überraschungen, die sich in der Enge des Messeareals leider nicht so erleben liessen. Die Neugierde wird also belohnt!
• Laura Ellen Bacon http://www.lauraellenbacon.com/
• Dail Behennah http://www.dailbehennah.com/
•Lee Dalby http://tinyurl.com/ykbzro3
•Elizabeth Murton http://www.elizabethmurton.co.uk/
•Shuna Rendel http://tinyurl.com/yl9t57x
•Laura Street Objekte werden geflochten, mit Paperclay überzogen und dann im Ofen gebrannt: die Spuren sind das was bleibt.
•Kazuhito Takadoi http://kazuhitotakadoi.com/
•Lois Walpole http://www.loiswalpole.com/default.htm
Bei craft2eu stellten wir dieses Frühjahr die wunderbaren Körbe "catkin-baskets2 von Joe Hogan http://www.joehoganbaskets.com/ in der Ausstellung mit dem Titel „Natürlich“ vor: http://www.craft2eu.net/index.php?id=400&L= Diese Körbe ernteten in erster Linie Staunen.
Doch es dauert immer etwas länger bis die Trends in Deutschland ankommen. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen sondern mutig, bei als Trendsetter bekannten Quellen gucken und zugreifen.
In der Flechtkunst gibt es ausgesprochen vielfältige Strömungen, die mit dem traditionellen Handwerk oft nur noch das rein technische Procedere gemeinsam haben. Der Fokus liegt hier auf kreativ und genial eingesetzter Handwerklichkeit mit einem eher künstlerischen Anspruch.
Zurück nach London:
In jeglicher Hinsicht großartig, war die Ausstellung von "Felicity Aylieff – Working to Scale" in der Contemporary Applied Art Gallery http://www.caa.org.uk . Diese 2-3 Meter hohen Keramikvasen entstanden während eines 4 monatigen Aufenthaltes von Felicity Aylieff in Mr Yu's 'Big Ware' Factory im chinesischen Jingdezhen - einem der größten Keramikzentren der Welt http://iweb.tntech.edu/cventura/Jingdezhen.htm.
Die Keramikerin, die auch am Royal College of Art lehrt, bemalt und dekoriert die riesigen Gefässe in traditionellen chinesischen Maltechniken, das eine Mal sehr genau und naturalistisch im Dekor, dann wieder schwungvoll abstrakt.
Im altehrwürdigen Victoria & Albert Museum gab es zwei herausragende Attraktionen zu bestaunen:
Zunächst war die temporäre Ausstellung – geht nur noch bis zum 18.Oktober 2009!!! - „Telling Tales“ http://www.vam.ac.uk/microsites/telling-tales/ - besser gesagt, die Inszenierung! zu erwähnen. Die Werke der angesagtesten Protagonisten der aktuellen Designszene, die sich aktuell dem Design-Unikat, als Balanceakt auf dem Drahtseil zwischen Kunst und Design verschrieben haben, wurden hier in schön-schauerlichen Bühnenbildern zur Schau gestellt.
Märchenwald- , Zauberschloss- und Unterweltatmosphäre geben den Rahmen für die junge Avantgarde, die hier ganz klar von den Niederländern angeführt wird, z.B. Tord Boontje http://www.tordboontje.com , Marten Baas http://www.maartenbaas.com Jurgen Bey http://www.jurgenbey.nl , Studio Job http://www.studiojob.nl , Niels van Eijk und Miriam van der Lubbe http://www.ons-adres.nl und einige andere mehr.
Ich empfand den Besuch als sehr unterhaltsam. Wenn man bedenkt, dass es sich um modernes Design handelt! Hätte auch gut eine surrealistische Bühnenbild- oder Filmausstattung abgeben können. Doch irgendwas bleibt immer hängen - ... auch im Ikea-Wohnzimmer der Zukunft?
Wirklich beeindruckend ist die neue Keramikabteilung, die das V&A ganz oben im 6. Stock unter wunderbaren Lichtbedingungen einrichtete. Allerdings muss man ziemlich zu Anfang des Rundgangs den Grusel beim Gang durch die zusammengepferchte Studiokeramik des 20. Jahrhunderts aushalten.
Grausam, diese ganzen freien Keramikfantasien und Auswüchse und Studien und „alles ist erlaubt“ Objekte genauso dicht und gedrängelt in die 4-stöckigen Vitrinen zu pferchen wie alles andere davor.
Das „davor“ wird durch einen Stilkonformismus, der sich langsam und als breite Entwicklung durch die Jahrhunderte und Kulturregionen der Welt bewegte, strukturiert. Da passt alles über- und nebeneinander ohne dass der Betrachter sich mit Grausen abwendet. Ganz im Gegenteil erscheint es da anregend, lehrreich und amüsant und man schaut nach Vergleichen und kommt, je weiter die Zeit zurück reicht, aus dem STAUNEN nicht mehr heraus.
Besonders gelungen ist die Installation "Signs and Wonders" des Londoner Keramikers Edmund de Waals http://www.edmunddewaal.com/news.html die ganz, ganz hoch oben über den Rand der Rotunde vorlugt: 425 weisse Keramiken umkreisen das Rund vor rotem Hintergrund. Es gibt einen Katalog zu dieser Arbeit als Veröffentlichung des V&A.
Und hier noch etwas zum Staunen:

Wissen Sie es? Aus welcher Zeit stammt diese abgebildete weisse kleine Teekanne?
Die neue Keramik-Abteilung ist meine ganz dringende Empfehlung für Ihren nächsten Londonbesuch! http://tinyurl.com/yf5xmaj
Natürlich eilte ich auch die neue Heimat des M i n t shops von Lina Kanafani http://www.mintshop.co.uk/ kennen zu lernen ( sie war übrigens auch eine Jurorin im Komitee derer, die die Teilnehmer für Origin 2009 aussuchten). M i n t ist ein großzügiger, offener Raum, in dem teilweise auch Möbel-Objekte, die in „Telling Tales“ ausgestellt waren, zum Kauf gezeigt werden. Zur London Design Week, und immer noch, waren die so genannten "Escapisten" zu sehen, die modernen Geschichtenerzähler unter den Designern, die das Medium Design und Handwerk als eine interpretierende Stimme der Imagination nutzen. Lina Kanafani ist mit Max Fraser, dem Herausgeber des London Design Guide befreundet (siehe meinen Blogbeitrag vom 11.09.09 ) Diese ganzen Design-Gruppeneinteilungen sind sicher beim nächtlichen Rotwein an - was für einem ? - Küchentisch herbei diskutiert worden. Wie auch immer, es gibt ganz wunderbare Objekte bei M i n t .
Meine Lieblingsstücke hier waren dieses Mal die Möbel von Minja Kolehmainen http://www.minjakolehmainen.com und die Spiegelobjekte von Solenne Moriegeaud http://www.solennemorigeaud.fr – so etwas einmal bei craft2eu ausstellen zu können – das wär's. Überraschend entdeckte ich bei M i n t wieder viele Accessoires, die wir auch bei craft2eu haben. Sooo weit vorn wie M i n t haben wir unsere Designnase ja wirklich nicht. Dazu ist in Hamburg die Luft zu dünn, aber in der Weltstadt London scheint das zu gehen. Hamburg ist ja nur das Tor zur Welt – ein kleiner aber doch wesentlicher Unterschied! Thesenfitz und Wedekind versucht für ein ähnliches Konzept in Hamburg ein dickes Brett zu bohren (mit Dependance in Berlin, versteht sich) http://thesenfitz.de - finde ich sehr spannend und toll!
Ein wenig folgte ich noch dem vorgeschlagenen Designparcour aus dem Designguide in der Gegend South Kensington. Doch ich war noch verabredet.
Bei Daniel Reynolds in Kenington schaute ich was das Porzellangemüse macht. Es wächst, blüht und gedeiht im kreativen Chaos seiner idyllischen Werkstatt. Er berichtete von einem Projekt für das Crosby Street Hotel, (Firmdale Hotels), das im März 2009 in New York's SoHo eröffnete und für das er eine größere Installation mit seinen feinen Gemüseporzellanen entworfen und hergestellt hat. Er versprach mir so bald wie möglich Fotos davon. Und neuen Kohl und Kürbis für die Hamburger Nischen.
Um diesen Porzellankohl muss er sich permanent kümmern. Während unseres Gesprächs griff er immer wieder zu Skalpell, Lappen und Sprühflasche um die diversen Gemüse in ihren verschiedenen Feuchtigkeits- bzw. Trocken-Phasen optimal zu betreuen. Man konnte einen kleinen Eindruck davon bekommen, wieviel Knowhow und Fingerspitzengefühl - und sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit - dazu gehört solche schöne Prozellankohlköpfe und Kütbisse "wachsen" zu lassen. http://www.craft2eu.de/index.php?id=372&L=
Weiter fuhr ich mit dem Bus nach Peckham um Nic Webb zu besuchen – er ist Ateliernachbar von Merete Rassmussen, die ihre wunderbaren Keramiken auch in Origin Teil 2 ausstellte – einfach ganz unglaubliche Skulpturen die sie macht http://www.mereterasmussen.com .
Nic Webb, eigentlich Maler, hat eher das Holz und vor allem das Löffel schnitzen für sich entdeckt. Seit 2 Jahren versucht er damit ein intensiveres Bewusstsein für die Natur, für Ursprünglichkeit und Vergänglichkeit auszudrücken. Der geschnitzte Löffel als Konzeptkunst – davon gibt es bei craft2eu demnächst mehr.


Ein roter Doppeldecker schaukelte mich auf bestem Aussichtsposten an allen Sehenswürdigkeiten vorbei durch das dunkel-glitzernde London bis zu Arrancina's bester Pizza http://www.arancina.co.uk/location.html und dann ab „nach hause“.
Ein morgendlicher Besuch bei Yvonna Demczynska in der Gallerie Flow http://www.flowgallery.co.uk eröffnete den Tag. Ihre aktuelle Ausstellung "Flow's Birthday Party Celebrations" geht noch bis zum 21. November 2009. Sie hat zehn ihrer Kunden / Sammler gebeten je einen Aussteller auszuwählen für ihre Festtafel etwas beizutragen – eine herrliche Idee. Zehn Jahre gibt es zu feiern - Donnerwetter sag ich! - und brachte Yvonna eine feine kleine Porzellantasse von Susanne Pezold mit - etwas visionäre Keramik aus Deutschland - gefiel ihr sehr gut! Einige der craft2eu-Künstler hatte ich ihr im Laufe des vergangenen Jahres vermitteln können und es war spannend zu hören wie die Resonanz in London darauf war. Es klang sehr positiv. Jetzt habe ich ihr von der Jahresmesse Kunsthandwerk im Museum für Kunst & Gewerbe erzählt http://www.kunstundhandwerkmesse.de/ – Nun wird sie endlich den Gegenbesuch in Hamburg organisieren.
Schliesslich rief Origin Teil 2 und meine Zeit wurde knapp. So viele bekannte Gesichter und freudige Begrüßungen! Melanie Tomlinson war auch nur zu Besuch weil sie aktuell neue Arbeiten entwickelt und ein Jahr aussetzt. Bei craft2eu gibt es noch wahre Schätze von ihr: http://www.craft2eu.de/index.php?id=332&L= . Lustige Neuigkeiten gab es bei Hanne Rysgaard und damit demnächst auch bei uns http://www.craft2eu.de/index.php?id=222&L= . Sophie Cook (Abb) hat selbst das Profil ihrer schönen Flaschenobjekte angenommen und wird im Dezember das zweite Mal Mutter. Wir suchten einige ihrer Schönheiten aus damit sie sich erstmal „in Ruhe“ diesem besondere Projekt widmen kann – davor läge aber noch ein Auftrag für eine Gruppe von 40 Gefässen sagt sie … oh, oh! Sara Moorhouse (Abb) gratulierte ich zu ihrem Westerwald-Preis, von dem sie über ihren Dozenten erfuhr. Dieser internationale Preis ist in England recht unbekannt wie ich feststellte. Das kann ja nur besser werden und Sara Moorhouse's unglaubliche Keramiken werden bald bei craft2eu zu sehen und zu haben sein!
Der irische Tischler Joseph Walsh http://www.josephwalshstudio.com/ , den ich noch aus meinen Projekten für das Crafts Council of Ireland kenne, war auch mit eindrucksvollen Möbelobjekten vertreten. Er wird in diesem Jahr das erste Mal auf der Grassimesse in Leipzig ausstellen - Liebhaber aussergewöhnlicher Möbel sollten sich das nicht entgehen lassen! http://www.grassimesse.de
usw.
Fast hätte ich den Rückflug verpasst – auch alle Jahre wieder das Gleiche – und nun bin ich ganz atemlos von der Schreiberei. Das muss heute reichen – wer soll das denn alles lesen?
Ich freue mich auf die Kommentare zum Alter der Teekanne!
Nur zu!
Wer am nächsten dran ist wird überrascht!

























Hallo Frau von Gwinner,
die Teekanne stammt aus China, sie wird auf die Zeit zw. 1690 und 1720 datiert....das nenne ich wirklich zeitlos!
Bin gespannt, ob ich die Überraschung bekomme?
Viele Grüße
Antje Schölzel