Es lockten das 5. Designers open und die Grassimesse nach Leipzig.
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Doch bevor wir uns in das Getümmel stürzten machten wir einen Abstecher in das Studio der Keramikerin Susan Heise. Sie ist Absolventin der Keramikklasse an der Burg Giebichenstein und machte dort auch ihr Diplom. Nun erprobt sie die ersten Schritte der Selbständigkeit. Mit ihren wunderbar frischen, strahlend weissen Porzellangefässen, deren Wirkung durch subtile Farbabstufungen grün bis türkiser Seladonglasuren gesteigert wird, kann ihr das nur gelingen. Wir haben gleich etwas eingepackt und werden die Arbeiten von Susan Heise in unserer ersten 2010 Ausstellung bei craft2eu umfassend vorstellen.

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Designers open
http://www.designersopen.de/ fand in 1A Lage, im Merkurhaus am Eingang der Peterstrasse statt. Über 4 Etagen erstreckte sich das Angebot von circa 150 Designern - Wohnaccessoires, Möbel, Mode, Schmuck und wirklich jede Menge pfiffiger Idde und spannender Konzepte. Die Raum füllende Präsenz der Limousinen eines süddeutschen Autoherstellers im Eingangsbereich konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass hier vor allem die frischen, unkonventionellen Ideen zählten. Diplomarbeiten, erste Gehversuche junger Label und schon etwas ambitioniertere Produkte, Design und Herstellung oft aus einer Hand, warben um die Aufmerksamkeit der vielen Besucher. Großes, allgegenwärtiges und übergreifendes Thema waren und sind vielfältige Aspekte von Nachhaltigkeit und Recycling: umdenken und umnutzen: praktisch, humorvoll und sinnlich. Auf der Homepage des Designers open gibt es Verlinkungen zu allen Ausstellern http://tinyurl.com/yzknbo3

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Am lustigsten fand ich persönlich die Idee von "Designer Sushi", also Michael Antons, Torsten Klocke und Ruth Maria Sahner www.designer-sushi.de. Hier wurde in kleinen Plastikcontainern (Obstschalen) Kram und Krämchen als Inspirationsfutter für Designer für 3 Euro pro 100 Gramm angeboten:
"mmmh! designer sushi - Frisch und immer anders! Das Auge isst mit: Mit unterschiedlichen Assoziations-Leckerbissen werden die Sinne angeregt! Jedes ?designer sushi? kann alles sein: Einzelnes, Serie oder Utopie." http://www.designer-sushi.de/sushis.html
Und die haben dann auch tatsächlich den Hauptpreis gewonnen! http://www.designer-sushi.de/jurypreis.html Herzlichen Glückwunsch!
Bewertet wurden der Innovationsgehalt, das Erscheinungsbild, die Reproduzierbarkeit und die Nachhaltigkeit eines Produktes oder Projektes.

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Die Mode des Labels "MILCH" www.milch.mur.at von Cloed Priscilla Baumgartner aus Wien, wurde auch für preiswürdig erklärt. Super chic: Kleidung aus Anzughosen. "Ausgemusterte Ware wird durch das Prinzip des Upcycling in anderem Kontext wieder verwendbar gemacht wie etwa bei der Aneignung Appropriation des klassischen Männeranzugs dessen Verfremdung zu Hosen und Hemdkleidern auch als Genderverwirrspiel verstanden werden kann." Es ist einfach sehr genial die Business-Uniformen unserer Zeit zu ebenso tragbarer wie individueller Mode und Accessoires umzufunktionieren.

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Schindelhauer Bikes
www.schindelhauerbikes.de wurden ebenso ausgezeichnet: Zahnriemenfahrräder!
"Der Zahnriemen läutet eine neue Ära in der urbanen Fahrradwelt ein. Langlebigkeit, Wartungsfreiheit und Zuverlässigkeit: Der ?Gates Carbon Drive? hat alles!" ...und vor allem sehen die sehr, sehr chic aus! Absolute Garagenware!

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Einer meiner Favoriten wäre noch die Gruppe um Robert Haslbeck und David Oelschlägel http://aufgestrapstundangefixt.de/index.html gewesen, deren Produktideen geradezu erstaunlich simpel aber intelligent vieles neu sehen und neu nutzen. Während ihres Studiums an der Burg Giebichenstein sind sie als Messeauf- und Abbauer, z.B. mit dem Burg-Designshop, viel unterwegs gewesen und haben die dort gemachten Erfahrungen als Inspiration für ihre Möbel- und Produktkonzepte genutzt. Sie wurden jüngst schon mit dem Culturträger Designpreis ausgezeichnet http://www.culturtraeger.de/05/site/un/kulturfoerderung/index.php

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Ein kleines Gespräch mit einem der Designers open Veranstalter, Andreas Neubert - strahlend über den spürbaren Erfolg - war auch noch drin. Der Standort war großartig, dennoch wünscht man sich eine permanente Heimat in Leipzig. Die immer wieder neue Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsort wird bei zunehmender Größe des Events zur Nervenfrage. Allerdings hat die temporäre Veranstaltung den leerstehenden Immobilien immer Glück gebracht. Alle Standorte konnten nach der der Designers open Nutzung direkt vermietet bzw. verkauft werden, was vorher oft über Jahre nicht möglich war. Andreas Neubert kann sich auch gut vorstellen eine Heimat zu finden, die man evtl. mit anderen Festivals in Leipzig teilen könnte. Im Kino oder Theater werden ja auch immer neue Filme gespielt - warum nicht auch ein Ort für temporäre Kulturprojekte?

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Die Zeit eilt, auch in Leipzig und vor allem wenn man derart "abgefüllt" wird. Da half nur noch das spontane und totale Kontrastprogramm: "Giselle" in der Leipziger Oper, so wundervoll romantisch, bezaubernd, ästhetisch, herzergreifend und perfekt: http://tinyurl.com/yggmwb2
Auf unserem Weg ins Bett holte uns dann Designers open wieder ein: lautstarke Party und bunte Mode in Specks Hof machte Stimmung. Wir hatten sonst leider überhaupt keine Zeit uns die vielen Trabanten der Designers open anzuschauen und haben sicher einiges verpasst.

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Gediegen empfing uns am nächsten Morgen die Grassimesse 2009 im Museum für Angewandte Kunst. http://www.grassimesse.de/ Konzentriert und erlesen präsentierte sich die ebenso maß- wie anspruchsvolle Auswahl der diesjährigen Grassimesse. Es offenbarten sich viele tolle Entdeckungen und Erkenntnisse wie selten zuvor bei einem Ausstellungsbesuch. Schon am 23.10. wurden die Preise vergeben.

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Der Grassipreis der Anneliese und Carl Goerdeler-Stiftung ging an Laurenz Stockner aus Bozen für Metall/Gerät. http://www.laurenz.it
Er beginnt wirklich ganz am Anfang, holt wahrhaftig das Erz aus dem Boden und verarbeitet es bis zu einer perfekt getriebenen Schale. Man kann natürlich nur eine schlichte Kupferschale sehen. Wenn man jedoch um den Prozess ihrer Entstehung weiss gewinnt sie an Schönheit und der Betrachter an Ehrfurcht. Was für ein Anachronismus in unserer Zeit? So lange es Menschen gibt die mit ihrem Schaffen kulturelle Wurzeln und Traditionen zeitgemäss deuten und nutzen, können wir sehr dankbar sein. Laurenz Stockner war nicht der einzige auf der Grassimesse, dessen Arbeiten andere Dimensionen der Wahrnehmung offen legten. Verblendet von der Selbstverständlichkeit massenhafter Verfügbarkeit geht uns oft die Sensibilität für das Wesentliche ab. Die Kostbarkeit von Material, von handwerklichem Knowhow, von künstlerischer Begabung, von Zeit und von ihrer aller begrenzten Verfügbarkeit.

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Da war z.B. eine junge koreanische Studentin aus der Schmuckklasse der Burg Giebichenstein die mir erklärte , dass ihre Kommilitonin Nadja Buttendorf drei Monate gebraucht habe um einen realistischen Axolotl und einen Nachtmull aus Silber zu treiben und zu ziselieren - die, die wir als hässlichste Tiere einstufen - als Schmuckstücke, deren Gestaltung kostbares Material sowie alle Handfertigkeit und Zeit verlangte. Ich staune über junge Menschen, die so viel einsetzen um uns die Augen zu öffnen!

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Den Grassipreis der Sparkasse Leipzig erhielt Carmen Hauser aus Wiesbaden für ihren Schmuck, der Elemente von Mode und Schmuck kombiniert. http://carmenhauser.de Weisse Kragen, Knopfleisten, Perlmuttknöpfe, Silhouetten, Perlen - ein bisschen 20ger Jahre Look, aber auch eine Moderne die das Label "MILCH" auf der Designers open meint, damenhafter Chic aber auch nonkonformistische Individualität. Carmen Hauser gelingt ein aufregender, stilsicherer Stilmix!

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Den Grassipreis der TOTAL Deutschland bekam Claudia Küster aus Stralsund. Sie studiert in der Schmuckklasse der Burg Giebichenstein in Halle und stellte ausschliesslich Ringe und Armreifen aus. Formalen Ausgangspunkt bildet eine Ringsammlung aus Fundstücken, also Ready-mades von der Strasse, deren Fundort und Zeit akribisch dokumentiert wurde. Pate für eine Ringserie aus Edelmetallen, teilweise emailliert oder lackiert, standen platt gefahrene, verbogene Getränkedosen-Aufziehösen... Sie wissen was ich meine? In ihrer lapidaren Edelvariante, schmal, farbig, einzig sind sie wunderschöne Schmuckstücke die Geschichten assoziieren, die eher von der schmucklosen Seite des Lebens berichten.

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Den Grassipreis der Galerie Slavik, Wien erhielt Mirjam Hiller http://www.mirjam-hiller.com/ aus Potsdam für ihren Schmuck, mit dem sie schon im vergangenen Jahr allein 5 der wichtigsten Auszeichnungen für Schmuck & Kunsthandwerk errang, u.a. den BKV Nachwuchspreis für junges Kunsthandwerk - und 2009 den Innovationspreis auf der Schmuckmesse Inhorgenta. Sie selbst sagt : "Mit meinen Schmuck möchte ich mich nicht nur auf das unmittelbar Sichtbare konzentrieren. Es geht mir darum die Stücke mit etwas Mysteriösem zu füllen, einer geheimnisvollen Energie, die den Betrachter oder Träger immer wieder auffordert herauszufinden, was es damit auf sich hat. Diese nonverbale Kommunikation ist es, die eine Beziehung zwischen Träger und Schmuckstück entstehen lässt."

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Marianne Eggimann und ihr skurriles Personal - unikate Porzellanfiguren - bildete quasi, neben dem Silber- und Goldschmiedepaar Ulla & Martin Kaufmann aus Hildesheim, das "Empfangskomittée" der Messe.
Natürlich gab es nicht nur Schmuck und Gerät. Textil, Keramik, Papier, Holz ...alles hervorragend repräsentiert, auch wenn es in diesem Jahr nur 70 Aussteller waren. Das Niveau war durchgängig von höchster Qualität, im handwerklichen ohnehin aber auch in den Konzepten. Allein das Hinschauen reichte nicht. Im Gespräch eröffneten sich immer neue und überraschende Aspekte die entdeckt werden wollten.
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Die Perfektion der Exponate, in Gestalt und Ausführung, kann ja auch etwas einschüchterndes haben. Doch wenn man erfährt, wie es z.B. zum Einsatz von neuen Materialien kommt, die einem an sich klassischen Thema eine aufregende neue Wendung geben. Wie in Josephine Lützel's neuer Silberkanne mit Kunststoffknauf. Oder Unk Kraus' Kunststoffketten die auf den ersten Blick die Anmutung kostbaren Perlenschmucks haben. Oder den Ausdruck eines individuellen Charakters in einem Emaillegefäss wie es der jungen Young-I Kim so treffend gelingt.
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Wenn man von diesen Dingen erfährt, realisiert man wie sehr das gestaltende Handwerk mit Innovation und künstlerischem Denken zu tun hat - auch wenn es Leute gibt die da sehr anderer Meinung sind.

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Einen Anerkennungspreis für ihr Lebenswerk erhielt die Schmuckgestalterin Gertrud Menzel.
Geradlinig und konsequent verfolgte sie in den vergangenen Jahrzehnten gewissermassen ein persönliches Konzept von Schmuckarchitektur. Sie konstruiert Geometrische Körper in Silber, Acryl, Lack. Sie montiert und vernietet abstrakte Räume, dominiert von einer Farbe, mit subtiler Struktur oder kaum wahrnehmbarer Mehrfarbigkeit. Andere tragen minimalistische Elemente, geometrisch angeordnete Zeichen, Punkte. Die Strenge überwiegt, die klassische Moderne, Zeitlosigkeit dieser Schmuckstücke die ein ebenso diszipliniertes wie intellektuelles Spiel mit Geometrien, Linien, Punkten, Flächen sind. Ich selber kenne den Schmuck von Gertrud Menzel jetzt 20 Jahre - er erschien mir auf eine gewisse Art immer als der Modernste von allen, in seiner unerschütterlichen Konsequenz und Strenge mal überaus anrührend, mal richtig cool. Ich habe nie herausgefunden ob das von dem Schmuckstück oder von der Tagesform des Betrachters abhängig war. In jedem Fall immer aufregend ihn neu zu sehen. Gertrud Menzel wird im Winter 2009 auch auf der Kunsthandwerkermesse im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg ausstellen: http://www.kunstundhandwerkmesse.de

Ich bleibe Ihnen heute viele Geschichten schuldig. Die von Martina Zwölfers hundert Blumen Projekt. Die der spielenden Porzellankinder von Marianne Eggimann. Die der Papierbroschen, des "Fragmentariums" von Beate Eismann. Die der makellosen Zukunftsvison des Lackkünstlers Manfred Schmid. Die der "Retentionen" Colliers von Michaela Kirchner. Die des traurigen aber auch schönen Endes eines Web-Projektes von Andreas Möller. Und noch viel mehr.
Ein anderes Mal und im nächsten Jahr wieder in Leipzig!


Objects3 Ein Hinweis sei noch erlaubt: die Zeitschrift "Objects - Journal of Applied Arts" ist mit ihrer 3.Ausgabe erschienen. Wunderbares Layout und Gestaltung, tolle Themenauswahl und Artikel mit Tiefgang - sehr zu empfehlen! Kann man da bestellen und bekommt für 10 Euro serh viel: http://www.illustrative.de/?id=1058
...und ich kann verraten, dass ich dort einen Artikel über die "Keramik-Krise" und einen über Kopenhagen geschrieben habe.